Lipizzanerhof Plotz-Bandholz
Ausbildung nach klassischen Grundsätzen
Ausbildungsgrundsätze

Die Ausbildung des Lipizzaners unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen Rassen. Allerdings gilt für den Lipizzaner, wie auch für andere Barockrassen, dass er als Spätentwickler körperlich und vor allem geistig in der Regel vor einem Alter von 4 Jahren nicht in der Lage ist, eine reiterliche Grundausbildung aufzunehmen. Die reiterliche Grundausbildung danach sollte man tunlichst in die Hände eines Profis legen, der nach klassischem Vorbild ausbildet. Diese Ausbildung dauert ca. 2 - 4 Jahre und endet mit der losgelassenen Piaffe. Diese ist, anders als häufig von Freizeitreitern angenommen, kein sinnloses Element der Hohen Schule. Sie erbringt vielmehr den Beweis dafür, dass das Pferd so weit ausgebildet und gymnastisiert ist, dass es nun in der Lage ist, den Reiter und sein Körpergewicht aufzunehmen, ohne körperlichen Schaden zu nehmen. Denn es hat gelernt, dieses zusätzliche Gewicht mit der Hinterhand zu tragen. Denn allein diese besitzt aufgrund ihrer großen Muskelgruppen bei entsprechendem Training die dafür notwendige Tragfähigkeit. Hat das Pferd diese Grundausbildung abgeschlossen, ist es ca. 7 Jahre alt und ist ausgewachsen. Nun sind die Sehnen, Bänder, Knorpel und Knochen hart genug, höhere Belastungen schadlos zu überstehen.
Das bedeutet aber nicht, dass ein Lipizzaner vier Jahre auf der Weide oder gar im Stall stehen muss, bevor man mit der Ausbildung beginnt, bzw. das Pferd zur weiteren Ausbildung an einen Profi übergibt.
Die Ausbildung vor dem Einreiten besteht im Grunde aus vier Elementen:1. Aufzucht; 2. Lernen lernen; 3/4.Gleichgewicht finden/ Muskeln, Sehnen und Bänder festigen und auf das Gewicht und die Hilfen des Reiters vorbereiten.
Dabei ist zu beachten, dass ein Pferd ein Flucht- und Herdentier ist und nur die für die Ausbildung notwendige Ruhe (Losgelassenheit kommt von Gelassenheit) innehat, sofern es sich in jedem Moment vom Leittier dominiert und beschützt weis; sei es nun Reiter oder Leitstute/Leithengst. Als Leitsatz gilt: “Adrenalin rauf – Lernfaktor runter!“. In diesem Zusammenhang ist nicht genug auf die Ausführungen des Monty Roberts hinzuweisen, in denen seine Erfahrungen über die Pferdekommunikation beschrieben ist.
Auch sollten die einzelnen Lektionen nicht länger als 30 Min. dauern, da sich ein Pferd nicht länger auf „eine“ Sache konzentrieren kann. Wichtig ist aber, dass man sofort nach dem Erreichen des Lernzieles lobt und aufhört, damit das junge Pferd auch erkennt, was es lernen sollte. Daher lieber 2 x am Tag 10 Minuten (wenn das Lernziel erreicht ist) als eine Stunde am Stück. Wenn man dies über die gesamte Ausbildung beherzigt, hat man am Ende einen verlässlichen Partner, der an der Ausübung der geforderten Lektion genau so viel Spaß hat, wie der Reiter.
Alle Ausbildung, gleich welcher Stufe, dient nur dem einen Ziel: Das Pferd soll sich durch die Ausbildung des Menschen sowohl körperlich, als auch geistig besser entwickeln, als es das allein in der Herde getan hätte. Denn wenn wir ein Pferd reiten, übernehmen wir die Verantwortung für die körperliche und geistige Gesundheit des Pferdes. Wer nach einem Ausgleich zur Arbeit sucht und nicht gewillt ist, sich jahrelangem/lebenslangem Studium der Pferdeausbildung zu unterziehen, sollte sich lieber einem anderen Sport widmen. Denn das Pferd ist durch das Fehlen des Schlüsselbeines ohne ausreichendes richtiges Training der Tragkraft der Hinterhand, gar nicht in der Lage dieses zusätzliche Gewicht ohne Gesundheitseinbussen zu tragen. Nicht umsonst ist die Anzahl der frühzeitig eingeschläferten auf der Vorderhand gerittenen „Sportpferde“ bedeutend höher, als die der „klassisch“ ausgebildeten „Barockpferde“. Das liegt sicherlich auch darin begründet, dass sich das moderne Reiten aus dem Kavalleriereiten ableitet, beim dem es weniger um die Langlebigkeit, als um das „Funktionieren“ des „Materials“ ging. Glücklichweise besinnen sich heutzutage sowohl die Reit- als auch die Zuchtverbände wieder der alten Meister, deren Grundsätze noch galten, bevor das Pferd zum Kriegsgerät wurde. 

 

Ausbildungselement 1 - Die Aufzucht:

Das geflügelte Wort „das Fohlen ist vom Hengst eingeritten“ bezieht sich auf zweierlei Inhalte. Zum einen die auf guten körperlichen vererbten Voraussetzungen, die dem Fohlen das Erlernen der vom Ausbilder geforderten Lektionen erleichtern. Zum Anderen auf die für das heranwachsende Pferd so wichtige Herdenhaltung. Hier wird das Fohlen beim Übertreten von Regeln rechtzeitig von den Herdenmitgliedern „eingeordnet“, und findet im Schutz der Herde, die Ruhe und Gelassenheit, die es zum Lernen braucht. Ohne den Schutz der Herde wird das Fohlen als Fluchttier permanent einen derart hohen Adrenalinspiegel haben, dass es schnell unsicher hektisch und aggressiv wird. Versäumnisse in der Aufzucht sind später zumeist kaum, oder nur schwer zu korrigieren. In den Staatgestüten in Österreich, Ungarn; Slowenien der Slowakei und Rumänien werden die Fohlen mit den Mutterstuten ganzjährig tagsüber auf Koppeln gehalten und abends in Laufställe getrieben, was zusätzlich zur Herdenhaltung ermöglicht, einen permanenten Überblick über Entwicklung und Gesundheitszustand der Fohlen zu haben, um ggf. korrigierend eingreifen zu können. Gleichzeitig sind die Fohlen trotz Herdenhaltung an den Umgang mit dem Menschen gewöhnt.

 

 

Ausbildungselement 2 - Lernen lernen/Zirzensiche Lektionen/Reiterspiele:

Nach dem Absetzen sollten die Fohlen bis zu einem Alter von ca. 5 Jahren in Jungpferdeherden im Offenstall gehalten werden. Wenn man sich in diesem Alter schon mit dem Fohlen beschäftigen möchte, kann man mit Reiterspielen genauer gesagt mit Gebrauchshindernissparkurs (Überwinden bzw. Durchlaufen von Planen, Brücken, Flatterbändern etc. auch GHP genannt) dem Fohlen das Vertrauen und den Gehorsam gegenüber dem Menschen beibringen. Derartige Beschäftigungen entsprechen dem Spieltrieb des Fohlens und schaffen eine gute Basis für die spätere Arbeit. Bei allem gilt jedoch: Immer konzentriert und berechenbar mit den Fohlen umgehen. Es benötigt schon in dieser Phase klare Anweisungen und ggf. auch für das Fohlen verständliche Zurechtweisungen, wenn es einmal „über die Stränge schlägt“.

 

Ab einem Alter von 2 Jahren sind die Sehnen und Knochen so weit, dass man mit den zirzensischen Lektionen beginnen kann. Richtig nach Eva Wiemers  ausgeführt vermitteln sie dem jungen Pferd nicht nur ein ausgezeichnetes Gleichgewichtsgefühl, sondern stärken die Muskulatur und festigen Sehnen und Bänder. Darüber hinaus festigt das junge Pferd sein Vertrauen zum Menschen und findet Freude am Lernen. Innerhalb des Herdenverbandes werden Sie nun den „sozialen Aufstieg“ ihres Pferdes bemerken, dass mit neuen Fähigkeiten und dem daraus gewonnen Selbstbewusstsein vielen anderen Herdenmitgliedern überlegen ist.

 

  

          

Ausbildungselement 3 - Die Bodenarbeit:

Die Bodenarbeit ist das direkte Ausbildungselement, welches das junge Pferd auf die spätere Arbeit unter dem Reiter vorbereitet. Dem ausgebildeten Pferd erhält es die Geschmeidigkeit und kann zum Beispiel bei Rückenproblemen des Pferdes zur Stärkung der Muskulatur, insbesondere aber der Rücken- und der zum Tragen notwendigen korrespondierenden Bauchmuskulatur. An der Hand wird dem Jungpferd nun Schritt für Schritt neben der Muskulatur das Gleichgewicht gestärkt. Dies ist notwendig, da der Reiter sonst möglicherweise durch sein zusätzliches Gewicht, dessen Schwerpunkt deutlich über dem des Pferdes liegt, das Pferd aus dem Gleichgewicht oder gar zum Sturz bringen kann. Dabei erlernt das junge Pferd, einen Teil des Körpergewichtes mit der Hinterhand zu tragen, denn  der Reiter belastet die Vorhand, welche ja eh schon den größeren Anteil des Pferdegewichtes trägt, zusätzlich. Darüber hinaus kommt die Vorderhand durch die mindere Gewichtsbelastung frei und ermöglicht dem jungen Pferd nun das freie Tragen von Hals und Kopf. Spricht man vom Tragen der Hinterhand, ist gemeint, das die hinteren Beine angeregt werden, unter den Punkt zu treten, an dem sich später das Reitergewicht befinden wird. Bei der Bodenarbeit ist es wichtig, dass die Hilfen und Kommandos denen entsprechen, die das Pferd später vom auf dem Pferd sitzenden Reiter erhält. Schrittweise wird später bei der Bodenarbeit ein Reiter auf dem Pferd sitzen, der mehr und mehr die Kommandos übernimmt und so dem jungen Pferd das Erlernen und Verstehen der reiterlichen Hilfen ermöglicht.

 

 

Ausbildungelement 4 - Das Fahren:

Nach oder parallel zur Handarbeit sollte das junge Pferd auch im Alter von ca. 3 ½ Jahren eingefahren werden. Schonend nach Achenbach eingefahren, werden Muskeln, Bändern und Sehnen ohne das noch belastende Reitergewicht gestärkt. Wichtig hierbei ist die parallel begleitende Bodenarbeit, damit das junge Pferd zu dieser Stärkung auch die Biege- und Tragfähigkeit erlernt. Ohne begleitende Bodenarbeit wird das junge Pferd verleitet, zum Ziehen sein Gewicht vermehrt auf die Vorderhand zu werfen und mit der Hinterhand nach Hinten herauszutreten, was das Erlernen der Tragfähigkeit massiv erschweren würde. Beim Einfahren des jungen Pferdes ist darauf zu achten, dass das zweite, „Einfahrpferd“, ein ruhiges erfahrenes Pferd von größerer Masse ist. Dieses kann dem jungen Pferd als Herdentier, die notwendige Ruhe und Sicherheit vermittelt, die zum Lernen notwendig ist. Das frühe Kennenlernen von verschieden Umgebungen und des Straßenverkehrs in Verbindung mit der körperlichen Auslastung sichert die ruhige Gelassenheit, die man später zur Ausbildung unter dem Reiter benötigt.

 

 

Ausbildungelement 5 - Das Reiten:  
Dieses späte Einreiten hat einem einfachen Grund: Ein Pferd ist erst mit ca. 6 Jahren ausgewachsen. Erst dann sind Bänder und Sehnen voll belastbar. Und da ein Pferd kein Schlüsselbein besitzt, um das Reitergewicht zu tragen, kann zu frühes Reiten zu einer Überbelastung des Bänder und Sehnenapparates, zu Verspannungen, Entzündungen und Verknöcherungen führen, die es dem Pferd unmöglich machen, den Reiter schadlos zu tragen. Leider soll das Durchschnittsalter von Dressurpferden in den letzten Jahren auf nur 9 Jahre geschrumpft sein (da ist bei uns gerade die Ausbildung abgeschlossen).
Hintergrund ist der kommerzielle Charakter der Pferdezucht geworden. Wenn Sie davon ausgehen, das Sie heutzutage betriebswirtschaftlich grechnet ca. 3.000.- EURO pro Jahr an Kosten für ein Fohlen haben, müssten Sie  für einen 5 jährigen also 15.000.- EURO + Deckgebühr (sagen wir mal 1.500.- EURO) und Kosten und Abschreibung der Stute (denn eine Staatsprämienstute ist auch nicht umsonst zu haben) von ca. 2.500.- EURO (also ca. 15.000.- Anschaffung auf Durchschnittlich 6 Fohlen verteilt) bekommen, ohne  betriebswirtschaftlich einen  EURO verdient zu haben. Das Pferd würde 5 jährig also ca. 19.000.- EURO + 25% Gewinn (damit das auch das Überleben des Züchters sichert) also ca. 5.000.- , in Summe also  24.000.- EURO kosten. Dreijährig aber nur ca. 16.000.- EURO.  Daher verkaufen sich 3 jährige Pferde besser, als 5 jährige. Da ist die Verlockung, gleich losreiten zu wollen natürlich groß.  Wenn die Besitzer der Pferde  aber betriebswirtschaftlich rechnen würden , und die ganzen Pülverchen, Spritzen, Behandlungen und Deckchen etc. aufsummieren würden, wäre es sicher sinnvoll, das Pferd erst später einzureiten, um dann länger etwas davon zu haben . Wir rechen eben so,  dass ein gut ausgebildet Pferd deutlich geringere Folgekosten verursacht und länger hält. Viele Pferdebesitzer kaufen sich mit dieser Argumentation einen Mercedes Benz. Bei Ihren Pferden scheinen sie dann aber diese vernünftigen Gedanken im "Eifer des Gefechtes" zu vergessen.
Lernen kann ein Pferd aber nur, wenn es die dafür notwendigen körperlichen und geistigen Fähigkeiten vom Ausbilder vermittelt bekommt und eben zu allererst auch hierzu körperlich in der Lage ist. Widersetzlichkeit ist im seltensten Fall auf das Pferd zurückzuführen. Man frage sich stets, welche Fähigkeit dem Pferd ggf. noch zur Erfüllung der geforderten Lektion fehlt, bevor man es zu etwas zwingt.

Das angestrebte Ziel der Losgelassenheit in der späteren Ausführung der Lektionen erreicht man einzig und allein, wenn das Pferd Freude dabei empfindet, die präzisen Wünsche des Reiters umzusetzen. Zwang dagegen führt zu Verspannungen, zum Verlust der Losgelassenheit, der Ausstrahlung und letztlich auch zum Verlust der Freude am Reiten.

  

                                                                          

Als Abschluss der Grundausbildung wird ca. im Alter von ca. 5 Jahren mit dem Reiten begonnen.  Die Regeln hierzu finden Sie hier.

 

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