Lipizzanerhof Plotz-Bandholz
Ausbildung nach klassischen Grundsätzen
Rassebeschreibung

              

Als älteste Kulturpferderasse Europas kann der Lipizzaner auf eine über 400-jährige Tradition zurückblicken. 1580 wurde von Karl V. das Hofgestüt Lipica (heute in Slowenien) gegründet. Als Prunk- und Paradepferd fand es bei höfischem Zeremoniell seine vornehmste Verwendung und ist bis in unsere Zeit in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben. Bis auf den heutigen Tag ist es das Pferd der weltberühmten Spanischen Reitschule in Wien und das erfolgreichste Fahrpferd der Welt.

Der Lipizzaner gilt als hippologisches Kulturgut, das erhalten werden muss und wurde von der EG am 7. Juni 1995 auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen gesetzt. Derzeit existieren noch ca. 3.000-4.000 Lipizzaner weltweit. Den Hauptbeitrag zur Erhaltung dieser 150–160cm großen Quadrat-Pferde für den gehobenen Anspruch erbringen die nationalen Staatsgestüte in Österreich, Ungarn, Slowenien, der Slowakei und Rumänien. Doch auch in fast allen europäischen Ländern und in den USA, Südafrika und Australien gibt es nennenswerte Privatgestüte. Alle nationalen Zuchtorganisationen werden im L.I.F (Lipizzanrian International Fondation) zusammengefasst.

Aufgrund des Zuchtziels des Paradepferdes ist der Lipizzaner ein Pferd für gehobene Ansprüche und hat unter den Pferderassen eine exklusive Stellung. Rassetypisch sind die Noblesse, die Lern- und Tragfähigkeit, die Ausstrahlung und der Adel. Sie verleihen dem Lipizzaner seine herausragende Position bei seiner hauptsächlichen Verwendung im Dressur- und Fahrsport. Er zeichnet sich durch ein ausgeglichenes, waches Temperament und einem guten Charakter aus. Dabei ist der Lipizzaner sehr personenbezogen und benötigt neben der täglichen Zuwendung ebenso die tägliche Arbeit.

Rassedefinition:

· Ein Lipizzaner ist ein Pferd, das selbst bzw. seine Vorfahren mit einem Fünf-Generationen-Pedigree in einem von der L.I.F. anerkannten Lipizzanerstutbuch eingetragen ist .
· Anforderungen an die Abstammung des Lipizzaners sind eintragungsfähige Pferde, die in jedem Teil ihrer Abstammung lückenlos auf die klassischen Hengstlinien
- Conversano
- Favory
- Maestoso
- Neapolitano
- Siglavy
- Pluto
- und die klassischen 18 Stutenfamilien zurückgehen.


In neuer Zeit wurden zur Vermeidung zu hoher Inzuchtkoeffizienten die Hengste Incitatio und Tulipan mit in die sechs klassischen Hengstlinien aufgenommen. Diese neuen Hengstlinien sind aber entgegen den klassischen Hengstlinien nicht in allen Staatsgestüten vertreten.

 


Beurteilung des Lipizzaners:

Die Beurteilung des Lipizzaners ist ein strittiges Thema. Natürlich muss auch ein „optimaler“ Lipizzaner ein Gebäude aufweisen, dass aufgrund der Harmonie und der Korrektheit seiner Gliedmassen den Einsatz als Reit- und/oder Fahrpferd bei entsprechendem Training zulässt. Allerdings gibt es leider immer den Einwurf, dass kurze Hälse, Hängerücken und gerade Kruppen rassetypisch seinen. Auch gibt es kein einheitliches Zuchtziel. Das ist zum einen darin begründet, dass die verschiedenen Staatsgestüte den Lipizzaner für unterschiedlichen Einsatz züchten. Zum anderen gibt es immer mehr Stimmen, die auch einen sportlicheren Typ verlangen, der im Turniersport gegen die Langrechteck-Warmblüter antreten soll.

Früher gab es eine Möglichkeit, den Lipizzaner nach den klassischen Hengstlinien einzuteilen und z.B. zu sagen, das ist ein typischer Neapolitano (langer Karosserie mit Ramskopf) oder Siglavy (kurzer Typ mit arabisiertem Kopf). Die Weltkriege reduzierten die Zuchtbasis und änderten zum Teil die Zuchtziele aber derart, dass diese Typisierung heute kaum noch anzufinden ist. In der modernen Lipizzaner-Zucht versuchen die Gestüte zumeist eher einen Gestütstyp zu ziehen. So findet man in Lipica eher den barocken, kleineren Reittyp, wohingegen man in Topol'čianky eher den großrahmigen Allroundtyp züchtet. Für Piber sind gerade Kruppen geradezu typisch, für Szilvásvárad eher die Schrägeren. Die Ungarn legen den Schwerpunkt auf das Fahren, die Slowenen auf das Reiten. In den Ländern ohne staatliche Gestüte züchten die privaten Züchter, was sie jeweils am schönsten finden.

Letztendlich ist aber vor allem wichtig, dass man einen Typ züchtet, ob nun Reit- oder Wagentyp. Denn dafür ist der Lipizzaner von jeher ausselektiert worden. Und aus der Nutzung ergibt sich denn auch, wie die einzelnen Köperteile zu bewerten sind – allerdings ohne die Gesamtharmonie des Pferdes aus den Augen zu verlieren.

So ist eine gerade Kruppe für ein Fahrpferd eher vorteilhaft als für ein Reitpferd, da diese die Kraftentwicklung nach hinten (also beim Ziehen vor der Kutsche) fördert. Hingegen erschwert diese gerade Kruppe das Abkippen der Hanke, um unter den Schwerpunkt zu treten. Hat ein Pferd mit gerader Kruppe aber einen kurzen Rücken und ein schräges Becken (wie die Pferde aus Piber), wird die Kruppe quasi kompensiert. Andere Fehler, wie sehr steile Fesselungen, können bei beiden Nutzungsarten sehr nachteilig sein und sind daher grundsätzlich als Mangel zu bewerten.

Aber fangen wir noch einmal von vorn an. Grundsätzlich teil man ein Pferd bei der Beurteilung in 9 Bereiche ein : Gesamteindruck (hierzu gehören neben der Harmonie auch Größe und Körperbau), Kopf mit Ganasche, Hals, Widerrist, Vordergliedmaßen, Mittelpartie, Lende, Kruppe mit Schweifansatz und Becken, und die Hintergliedmaßen. Im folgenden finden Sie die rassetypischen Merkmale:
 

 

Rassesteckbrief:

 

Gesamteindruck:

Stockmaß: Zwischen 150 und 160 cm, angestrebte Größe 156-160 cm. 
Farbe: vornehmlich Schimmelfarbe, vereinzelt auch abzeichenlose kastanienfarbene Braune und Rappen.
Körperbau: Korrektes kräftiges Fundament, meist Kurzrechtecktyp mit kurzer gerader Kruppe beim Wagentyp und kurzes, quadratisches Pferd mit entsprechend runder Kruppe beim Reittyp. Gute Winkelung in der Hinterhand, genügend lange Fesselung.

Kopf/Hals:

Großes dunkles Auge; meist leicht ramsnasige oder gerade adlige Kopfform.. Hoch aufgesetzte kräftige Halsung, die das Pferd größer aussehen lässt, als es ist. Gute Ganaschenfreiheit ist hier besonders wichtig, da es sonst zu Nerveneinklemmung kommen kann, die zu den verschiedensten Krankheitsbildern führen.

Widerrist:

Kräftiger, lang in den Rücken gehender Widerrist, der der Rückenmuskulatur und vor allem dem Trapezmuskel eine breite Ansatzfläche bietet, was gerade beim Reittyp wichtig ist, da der Rücken besonders durch das Reitergewicht belastet wird. Beim Lipizzaner wird oft fälschlicherweise behauptet, er habe kaum Widerrist, was an seiner häufig runderen Form liegt. In der Tat ist der Widerrist hier in der Regel eher breit als hoch. Allerdings sollte man in keinem Fall eine gute Sattellage mit einem verkümmerten Trapezmuskel verwechselt werden, der bei vielen zu früh angerittenen Pferden oder solchen mit schlecht sitzendem Sattel (fast 80%!!!) zu finden ist.

Vorderglied-maßen:

Schräge, gut bemuskelte Schulter, kräftige Unterschenkel, gut ausgeprägte Gelenke mit geraden Gliedmassen und guter Fesselung (zu lang und/oder zu schräg = das Pferd tritt durch => Sehnenschaden; zu kurz und/oder zu steil = keine Abfederung möglich => harte Gänge/Sehnenschaden). Im Optimalfall soll das Lot des Vorderbeines von der Seite an der hinteren Seite des Hufes beginnen.

Mittelpartie und Lende:

Gerader kräftiger Rücken mit entsprechend korrespondierender Bauchmuskulatur. Senk- oder Karpfenrücken sind aufgrund der Sensibilität dieser Partie besonders beim Reittyp unerwünscht. Eine Fehlstellung des Rückens kann frühzeitig zum Reiben der langen Dornfortsätze führen, was beim Pferd zu massiven Schmerzen und Absterben von Nerven führen kann, was wiederum zu einer Vielzahl von Krankheitsbildern führt. Bei Schwächen in der Rückenpartie können aber ein wirklich passender Sattel, viel Bodenarbeit und klassische Reitweise Wunder bewirken – allerdings nur, wenn der Schaden nicht bereits verursacht wurde. Die Mittelpartie soll ohne Formänderung in die Lende übergehen. Die Lende soll kurz und breit sein, was die Tragfähigkeit des Pferdes günstig beeinflusst.

Kruppe mit Schweifansatz
und Becken:

Bei der Kruppe gibt es zwei typische Formen.
1. Die gerade Kruppe. Diese ist, wie oben bereits aufgeführt, für den Fahrtyp vorteilhaft, da das Pferd so den Schwung nach hinten besser entwickeln kann. Soll ein Pferd mit gerader Kruppe geritten werden, ist darauf zu achten, dass der Rücken möglichst kurz und das Becken sehr schräg ist, damit es dem Pferd leichter fällt, unter den Schwerpunkt zu treten.
2. Die „abgeschlagene“ schräge Kruppe erleichtertet es dem Reitpferd, die Hanken zu biegen und so das zusätzliche Gewicht zu übernehmen, in dem es unter den Schwerpunkt des Reiters tritt. Mit der Gewichtsübernahme der Hinterhand wird die Vorderhand entlastet und kann entsprechend freier und erhabener treten. Der Schweifansatz ist bei Pferden mit gerader Kruppe zumeist recht hoch. Allerdings verwahre man sich vor dem Rückschluss, dass alle Pferde mit einem hohen Schweifansatz auch automatisch eine gerade Kruppe haben, auch wenn zunächst so aussehen mag. Wichtig ist aber, dass das Pferd den Schweif gerade bzw. in der gleichen Biegung wie der des Rückens trägt. Wird der Schweif schief getragen oder zeigt er gar entgegengesetzt zur Rückenbiegung, kann das auf Rückenprobleme hinweisen. Man suche hier also nach den möglichen Ursachen oder Zeichen, wie etwas einseitig ausgeprägte Rückenmuskulatur.

Hintergliedmaßen:

Gut bemuskelter (behoster) Unterschenkel, gut ausgeprägte Gelenke mit geraden Gliedmassen und guter Fesselung (siehe Vordergliedmaßen). Von hinten gesehen ist besonders darauf zu achten, dass das Pferd auch von hier aus gesehen gerade Beine hat. Fehlstellungen hier können unter Belastung durch Reiten oder Fahren schnell zu Sehnen-, Gelenk- und Knorpelschäden führen, was im Übrigen auch für die Vorderhand gilt. Derartige Fehlstellungen sind allerdings im Fohlenalter in ca. 50 % der Fälle von einem guten Schmied zu korrigieren oder deutlich zu verbessern.

Gänge:

Der Lipizzaner zeichnet sich durch eine überhöhte Knieaktion und eine exaltierte Gangmanier bei gutem Raumgriff aus. Beidseitiges "Paddeln" oder "Winken" mit den Vorderbeinen ist ofmals rassetypisch.

Charakter: Ausgesprochen wach und sensibel, häufig überschäumend im Temperament bei Konfrontationen (daher ist eine „Rahmung im Sinne des Herdenverbandes" hier besonders wichtig); sehr menschenbezogen; nach Schaffung der Vertrauensbasis hundertprozentige Verlasspferde.

 

Der Lipizzaner ist bekannt für seine enorme Lernfähigkeit. Tatsächlich aber erleichtert dem Quadrattyp jedoch sein Körperbau und die damit verbundene Tragfähigkeit das Erlernen der reiterlichen Lektionen enorm. Allerdings ist die tatsächliche Lernfähigkeit der meisten Lipizzaner eher different: Sie lernen nämlich sehr langsam, dafür vergessen sie das einmal erlernte auch kaum. Daher muss man bei der Ausbildung darauf achten, in kleinen Schritten mit vielen Wiederholungen zu arbeiten und tunlichst sicherzustellen, den Lipizzaner nicht geistig zu überfordern, was er entweder mit Vollblockade oder Lethargie beantwortet. Sollte Ihnen das einmal passieren, ignorieren Sie die Reaktion und fangen Sie wieder klein an. 
Der Einsatz des Lipizzaners ist vielseitig. Schwerpunkte liegen jedoch auf Dressuraufgaben bis in höchste Klassen, Schulen auf und über der Erde und im Fahrsport sowie in der Freizeitreiterei, da der Lipizzaner enorm ausdauernd, leistungsfähig, langlebig (Durchschnittsalter über 30 Jahre) und robust ist.

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